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Wie durch Corona aus einem Theaterstück ein Hörspiel wurde

 

Radio-Feature

Hörspiel Literatur

Manchmal kommt im Leben alles anders als man denkt. Das Vorhaben ist durchdacht, geplant und bereit, in die Tat umgesetzt zu werden. Und dann kommt alles anders: Die Umstände verändern sich und plötzlich scheint die Umsetzung des Plans unmöglich.  

Genauso ging es auch uns, dem Literaturkurs der Marienschule. Seit Beginn des Schuljahres haben wir unser eigenes Theaterstück entworfen. Schritt für Schritt sind wir gemeinsam vorgegangen: Angefangen bei dem Thema des Stücks haben wir Figuren entwickelt, welche die Probleme und Gedanken widerspiegeln, die uns Jugendliche im Alltag beschäftigen. Das mag einfach klingen, doch die Ausarbeitung und Einigung auf bestimmte Ideen hat nicht nur viel Mühe, sondern auch Zeit in Anspruch genommen. Denn unser Ziel war es, eine Handlung zu entwerfen, die unserem späteren Publikum eine ganz bestimmte Message vermittelt: Sei du selbst und lebe deinen Traum!  

„Wir sind schon sehr weit gekommen. Ich kann es kaum erwarten, unseren Familien und Freunden endlich zu zeigen, woran wir so lange gearbeitet haben!“ (Natalia, Q1) 

Die Proben unseres Stücks waren gerade im vollen Gange. Schließlich war es bereits März und die Aufführung unseres Theaterstücks war nur noch einige Monate entfernt. Voller Vorfreude darauf, unser gemeinsames Projekt im Sommer endlich auf die Bühne zu bringen, nahmen wir die letzten Feinschliffe vor und fertigten Requisiten an. Und dann kam Corona. 

„Ich hatte mich so darauf gefreut, das Stück vor meinen Mitschülern und Eltern vorzustellen. Jetzt ist klar, dass das unmöglich sein wird. Ich bin so enttäuscht.“ (Sophie, Q1)  

Innerhalb kürzester Zeit mussten wir unseren liebevoll ausgetüftelten Plan über Bord werfen und umdenken. Eine neue Idee musste her. Doch wie sollte die aussehen? Eine Sache war uns sofort klar: Dies war nicht das Ende unseres Projekts. Die Planung musste weitergehen.  

„Habt ihr eine Idee, wie es jetzt mit unserem Projekt weitergehen kann?“ (Frau von Basum, unsere Lehrerin)  

Corona brachte schlagartig viele Veränderungen mit sich, die sich auch deutlich auf unsere Arbeit im Literaturkurs auswirkten: 

Kein Auftritt live, sondern auf Distanz. Keine große Bühne, sondern das eigene Zimmer. Nicht als Kurs proben, sondern sich in Online-Meetings besprechen. Kein Theaterstück, sondern … ein Hörspiel?! Also kein gemeinsames Spielen, sondern alleiniges Aufnehmen. Und keine Darstellung auf der Bühne, sondern eine Sprache, die Bilder in den Köpfen der Zuhörer erzeugt. 

„Durch Corona hat sich unser Stück komplett verändert. Immerhin werden wir aus einem Theaterstück ein Hörspiel machen. Natürlich hat sich einiges verändert und dabei ist leider auch vieles verloren gegangen. Vor allem über das Bühnenbild und die Kostüme hatten wir uns schon viele Gedanken gemacht. Das alles können wir jetzt vergessen!“ (Layla, Q1)  

Trotz der vielen Hürden, die es zu überwinden galt, haben wir als Kurs ein großartiges Projekt entworfen. Es ist anders, aber trotzdem bleibt es ein Gemeinschaftswerk. Wir mussten improvisieren – trotzdem oder gerade deshalb sind wir zu einem tollen Ergebnis gekommen. 

„Wir haben improvisiert und etwas wirklich Gutes aus der veränderten Situation gemacht. Mit dem Hörspiel können wir jetzt sogar noch mehr Leute erreichen! Ich bin echt stolz und gespannt, wie das bei den Zuhörern ankommt.“ (Natalia, Q1) 

Manchmal kommt im Leben alles anders als man denkt. Doch genau diese Spontanität, diese Veränderungen sind das, was das Leben aufregend macht. Veränderungen sind nicht immer schlecht, sie stellen uns täglich vor neue Herausforderungen, die unseren Blick weiten und uns Dinge zeigen, die wir ohne sie niemals gesehen hätten.  

von Theresa Schulze, Q1