arrow_upward
event_note mail link

Kooperation Misereor

Seit dem 7.3.2018 ist die Marienschule Partnerschule des Bischöflichen Hilfswerks MISEREOR.

Mit der Partnerschaft möchten wir unseren Schülerinnen und Schülern neue Perspektiven eröffnen, Bildung mit christlicher Konsequenz zu erfahren und für andere wirksam werden zu lassen.

Urkunde als pdf-Datei

Kooperation mit Misereor

Alle wissen es: Millionen Menschen hungern, sind medizinisch unterversorgt, haben keinen Zugang zu Bildung oder auch nur zu sauberem Wasser. Aber Kindern und jungen Erwachsenen fällt diese Ungleichheit in der Welt besonders auf und viele möchten etwas dagegen tun. Diese Bereitschaft zum Engagement ist einer der größten Schätze, die Jugendliche mitbringen. Und diese war am Mittwoch mit Händen zu spüren. Seit Mittwoch hat die Marienschule einen weiteren Kooperationspartner: Das Bischöfliche Hilfswerk Misereor.

„Wer hat schon mal vom Hilfswerk Misereor gehört?“,„Wer von Euch hat sich schonmal bei einer Spendenaktion beteiligt?“, „Wer glaubt, dass er die Welt verändern kann?“

Solche Fragen stellten Schüler des Vorbereitungsteams aus der 10. Klasse der Marienschule, für die am Mittwoch ein besonderer Tag begann.

Schüler der zehnten Klasse hatten einen Globus mit bunten Händen gestaltet, der mit Schlüsselbegriffen wie „Zukunft“, „Toleranz“ und „Fairer Handel“ geschmückt war. Er zierte den Chorraum der Dionysiuskirche, in der der Hauptgeschäftsführer von Misereor, Pirmin Spiegel, mit dem katholischen Pfarrer Heinz Herpers und dem evangelischen Pfarrer Thomas Stockkamp sowie Schulseelsorgerin Lisa Vratz, Schülern und Lehrern Gottesdienst feierte. „Einige Puzzleteile fehlen“, hieß es aus der Vorbereitungsgruppe, „weil noch Platz ist für unsere Ideen.“

In ganz Krefeld sind die Plakate von Misereor zurzeit präsent. Misereor ist das Hilfswerk der Deutschen Bischöfe und setzt sich seit 60 Jahren mit schlanker Bürokratie und größter fachlicher Expertise für Menschen in Armut im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe ein.

Misereor-Chef Pirmin Spiegel ist Priester und Entwicklungshelfer, der lange in Brasilien unter den Armen gelebt hat.

„Ihr habt einen Globus mit bunten Händen gestaltet. Aber für viele Menschen läuft es nicht rund.“,

begann er seine Predigt. Die Erde sei mit vier Himmelsrichtungen erschaffen, Nord, Süd, Ost und West, aber in unseren Köpfen sei sie in vier Welten aufgeteilt, erste, zweite, dritte und vierte Welt. Nicht nur Nahrungsmittel seien ungleich verteilt. Letztes Jahr war bereits am 2. August Welterschöpfungstag, der Tag an dem rechnerisch die Ressourcen der Welt wie Holz, Pflanzen, Nahrungsmittel erschöpft seien – danach lebten die Menschheit auf Pump, d.h. sie verbrauchten mehr als jährlich generiert werden könne. „So wie wir leben, brauchen wir drei Erden“, analysierte Spiegel. Gott aber wolle, dass alle jetzt und in Zukunft genug hätten. Am Tisch der Menschheit – auch dafür stehe symbolisch der Altar im Zentrum der Kirche – sollen alle Platz nehmen können.

“Ich finde es wunderbar, dass die Marienschule bei diesem Projekt Partner sein will.“

Dabei geht es weder Misereor noch der Marienschule „nur“ darum, dass es uns gut geht und Menschen in der sogenannten Dritten Welt schlecht und wir einfach etwas abgeben sollen. „Auch unser Wohlstand hat seinen Preis“, betonte Pirmin Spiegel in seiner Rede beim Festakt: „Burnout, Streß, Mangel an Zeit“.

Das inszenierte der Literaturkurs Q1 von Kordula von Basum. Parallel lasen Schülerinnen den Tagesrückblick eines Mädchens, das in einer Fabrik täglich giftige Gase einatmend, Schmuck herstellen muss, um seine Familie vor dem Verhungern zu retten und den einer deutschen Altersgenossin, die über Schule bis vier Uhr und anschließende Hausaufgaben berichtet, über drückende Tennisschuhe und eine Mutter, die wieder vergessen hat, Vanielleeis zu kaufen. Als Zeichen für die Eine Welt spann ein Sportkurs von Maren Lauer ein Netz durch die gesamte Aula und inszenierte die bunten Hände aus dem Partnerschaftslogo im Tanz.

„Uns geht es darum, unser traditionelles Engagement zu verstetigen und von einzelnen Personen unabhängig zu machen“,

so Schulleiter Klaus Neuenhofer. „Die Verbindlichkeit ändert sich“.

Bürgermeisterin Karin Meincke würdigte mit persönlichen Erinnerungen die Kooperation. Sie erinnerte sich an die bunten Häuschen von Misereor, die man in den 60er Jahre selbst baute, um in der Fastenzeit darin Geld zu sammeln, das man dann in der Schule oder beim Gottesdienst abgab. Den Schülerinnen und Schülern gab sie auf den Weg:

„Sammeln Sie Erfahrungen im Ausland. Wenn Sie sich irgendwo sozial engagieren, werden Sie immer mehr bekommen als Sie geben können. Wenn Frieden gestiftet werden kann, dann nur wenn Menschen sich kennen. Mit dem Vertrag, den Sie heute schließen, machen Sie den Schritt in die richtige Richtung, in Richtung Frieden.“

Die Schülersprecher Julian Stiller und Charlotte Dinsdale nahmen stellvertretend für die Schulgemeinschaft die Partnerschulplakette in Empfang, die bald am Eingang für jedermann sichtbar sein wird. Auch sie haben sich bereits Gedanken gemacht, wie man eine solche Kooperation aktiv gestalten kann, z.B. bei Projekttagen.

„Wir lernen gemeinsam für die Welt von morgen“.

Der Vertragsschließung vorausgegangen war ein fast anderthalbjähriger Prozess, in dem Kollegen und Schulleitung das Für und Wider einer solchen Kooperation abwogen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Gespräch mit Misereor sondierten. Am Ende stand der eigens formulierte Kooperationsvertrag.

„Wir haben uns gefragt, wie wir unser soziales Engagement in der Bildungsarbeit verankern können“,

sagt Ansgar Hoff, der vonseiten der Marienschule die Kooperation initiiert hat. Herausgekommen ist eine echte win-win-Situation: Misereor stellt der Marienschule die Materialien zur Verfügung, die das katholische Gymnasium braucht, um in den Unterricht zu bringen, was Themen in der Einen Welt sind. Misereor regt die Schule an: Material in gedruckter und digitaler Foem, neue Themen für Facharbeiten, Gäste aus aller Welt besuchen Aachen und können auch nach Krefeld kommen. In 92 Ländern ist Misereor aktiv. Auch Schüler können über Misereor nach dem Abitur erste Erfahrungen in Entwicklungsländern sammeln und für einige Zeit in Projekten dort mitarbeiten. „Man kriegt die Struktur von Misereor schon mit“, sagt Ansgar Hoff, „da steckt Welterfahrung drin, die wir überhaupt nicht haben.“

Andererseits verpflichtet sich die Marienschule, Themen der Einen Welt in die Fachcurricula zu integrieren. Dazu gab es am Mittwoch auch einen Austausch der Fachvorsitzenden mit Misereorvertretern, u.a. Petra Gaidetzka von Misereor Aachen. die die Schulen bei dieser Arbeit unterstützt.

„Man merkt, dass sich die Schüler an ihrer Schule schon mit dem Thema beschäftigt haben“,

so Gaidetzka. Die Marienschule ist die sechzehnte Schule deutschlandweit, mit der Misereor in Deutschland kooperiert.

Und so betrifft die Eine Welt mehr Fächer als man denkt: Geschichte, Erdkunde, Religion – klar. Aber auch die Naturwissenschaften: Warum nicht in Physik über Brunnenbau sprechen? Schulleiter Klaus Neuenhofer, selbst auch Mathematiker, hat eine andere Idee: „In Entwicklungsländern sind die Ingenieure auf einfache Methoden angewiesen, z.B. die Kordelmethode, 12 Knoten in eine Kordel zur Landvermessung. Das kann ich gut in Mathematik machen.“

In Englisch ist „Globalization“ Thema.

„Ich lass die Schüler im 2-minutes talk Misereorprojekte auf Englisch vorstellen“,

sagt eine Englischlehrerin. Dass sich Englischlernen lohnt und direkt anwenden lässt, haben die Schüler bereits in der vergangenen Woche erfahren, als ein Misereorgast bereits in der Marienschule über Wasserprojekte berichtete, nämlich Pater Frederick D’Souza, Geschäftsführer der Caritas Indien. Nach einiger Zeit ließ man die Übersetzungen sein und Schüler der Oberstufe und Pater D’Souza sprachen auf Englisch frei über die Wege, wie die Menschen in Indien, vornehmlich Frauen, mit der Unterstützung von Misereor dafür sorgen, dass sie sauberes Wasser bekommen.

„Über Bildung soll Empathie erreicht werden“,

so Hoff. Man lerne z.B. in Erdkunde etwas über Städtebau oder Landwirtschaft in Lateinamerika und ziehe dann die Konsequenzen daraus – auch mit der Frage, was wir als Christen tun oder zu tun haben. Ziel sei es, Probleme der Einen Welt und Ideen, wie sie zu lösen seien in den Unterricht zu integrieren. „Das geht über ad-hoc-Aktionen hinaus“, so Hoff. Und es stifte Identität für Schule und Schüler.

Die Schule in Ursulinentradition ist als Förderin sozialen Engagements ihrer Schülerinnen und Schüler bekannt. Das Gymnasium ist Träger des Krefelder Schulpreises, zahlreiche Schülerinnen sind vom Zonta Club ausgezeichnet worden, der Martinszug geht jedes Jahr durch das St. Pauly-Stift, so dass Schülerinnen und Schüler lernen, dass man Zeit und Freude teilen kann. Seit 1986 besteht eine Partnerschaft über SAM-Peru (SAM steht für „Soziale Aktion Marienschule“), in der – angeregt durch eine ehemalige Schülerin – ein Kindergarten in einem Elendsviertel Limas unterstützt wird. Die Klassen backen reihum Kuchen und geben ihn mittwochs in der Pause in den Verkauf. Das ergibt im Monat 200.- Euro für den von Ursulinen getragenen Kindergarten in Peru.

Als die Frage nach Erfahrungen mit Spendensammlungen im Gottesdienst gestellt wurde, stand jeweils ein großer Teil der Anwesenden bejahend auf. Das traditionelle soziale Engagement der Marienschule ist mit der Misereorpartnerschaft um einen großen Baustein erweitert worden.