Zeitzeugengespräch mit Eva Weyl
Vor kurzem bekamen wir die besondere Gelegenheit, die Holocaust-Überlebende Eva Weyl kennenzulernen. Vergangenes Leid darf nicht in Vergessenheit geraten – das war die Bitte von Eva Weyl. Nun liegt es an uns, diese Tragödie am Leben zu erhalten. Ihr Besuch an unserer Schule hat uns alle zutiefst gerührt und nun wollen wir ihre Lebensgeschichte mit euch teilen.
Die 89-jährige Eva Weyl wurde am 7. Juni 1935 in der Zeit des Nationalsozialismus in den Niederlanden geboren. Sie ist die Tochter jüdischer Flüchtlinge und ist im Alter von sechseinhalb in Begleitung von ihren Eltern in das Konzentrationslager Westerbork deportiert worden. Da ihre Eltern beschlossen haben, nie wieder Fuß auf deutschen Boden zu setzen, flohen sie in die Niederlande, welche später von den Deutschen besetzt wurde, weshalb sie somit durch die Kälte in diesem Lager landeten. Zunächst wurden ihnen alle Wertsachen abgenommen und sie verbrachte dort mehr als drei Jahre ihrer Zeit unter belastenden Bedingungen in der Angst, jeden Moment auf der Todesliste zu stehen. Sie war verpflichtet dazu arbeiten zu gehen und hatte in den bitterkalten Nächten nicht mehr als eine Wolldecke zur Verfügung. Dass Eva nebenbei zur Schule gehen durfte, empfand sie als großes Glück, denn die Schule ermöglichte ihr einen kurzen Moment der Normalität. Insgesamt wurden 107.000 Menschen in Vernichtungs-/ Arbeitslager gebracht. Das Arbeitslager Westerbork wurde als ein „normales“ Dorf angesehen, doch diese „Normalität“ hielt zehn Monate an, bevor sich die Bedingungen drastisch verschlechterten. Von den 140.000 niederländischen Juden überlebten nur 5.000 – sie war eine von ihnen.
Besonders erschütternd war ihre Schilderung der systematischen Ausgrenzung: Jüdische Kinder wurden in Schulen gemobbt, deren Familien enteignet. Am Anfang habe Hitler gar nicht vorgehabt die Juden zu vernichten, denn sein Plan war zunächst einmal die Juden durch seine harten Maßnahmen und Regeln zu vertreiben.
Sie berichtete von der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, die sogenannte Pogromnacht, in der Synagogen sowie jüdische Geschäfte in Brand gesetzt worden waren – die Nacht der misshandelten, verhafteten sowie ermordeten Juden und Jüdinnen, die das Leben für viele Menschen änderte. Auf der einen Seite gab es die Anhänger und Anhängerinnen der Nazis, auf der anderen Seite die Opfer, die unter dem Missbrauch der Nazis zu leiden hatten. Auch das von ihrem Großvater gebaute erste große Kaufhaus der ganzen Gegend wurde anschließend von den Nazis weggenommen. Als er zu seiner Tochter zurückgehen wollte, starb er an den Folgen von der Inhaftierung. Der Beginn des größten Völkermords in der ganzen Geschichte. Der 2. Weltkrieg sei anders als jeder andere zuvor gewesen: Es dauerte zu lange jeden einzelnen umzubringen und zu erschiessen, weshalb die Ermordung systematisch durch Massenmorde in Gaskammern erfolgte, um 800 Menschen gleichzeitig umbringen zu können.
Eva Weyl verliebte sich in einen Jungen namens Fritz, zu einer Zeit, in der es keine elektronischen Kommunikationsmittel wie Handys gab. Stattdessen tauschten sie handgeschriebene Zettel und Briefe aus. Ihr Vater jedoch missbilligte den Kontakt und wollte nicht, dass sie weiterhin Zeit mit Fritz verbrachte – denn dessen Vater war ein hochrangiger Nationalsozialist. Doch Eva ließ sich davon nicht beeinflussen. Sie widersetzte sich den Vorurteilen, denn für sie zählte nicht die Herkunft oder die Familie eines Menschen, sondern der Charakter. Ihr Herz sprach für sich, und sie fragte sich: „Was kann Fritz dafür?“
„Niemand in Deutschland ist noch dafür verantwortlich, was in dem 2. Weltkrieg geschehen ist“ – das waren Eva Weyls Worte, die wir alle im Hinterkopf behalten sollten. 80 Jahre Freiheit: Die Überlebenden des Holocausts sind der Meinung, dass der 8. Mai ein Feiertag in Deutschland sein sollte, da dies der Tag des Mauerfalls, beziehungsweise der Tag der Kapitulation von der deutschen Wehrmacht im Jahre 1945 war. So nahm die nationalistische Gewaltherrschaft ein Ende. Abschließend will Eva Weyl uns dies mit auf den Weg geben: „Äußerlich mögen wir alle unterschiedlich sein, doch im Inneren schlägt in jedem Menschen dasselbe Herz – unabhängig von seiner Herkunft.“
von Jaya und Maja , 10d
Auch eine Achtklässlerin berichtet:
Am Montag, den 25. März 2025, besuchte die Holocaust-Überlebende Eva Weyl in der sechsten und siebten Stunde die Marienschule. Alle achten und zehnten Klassen sowie die Q2-Geschichtskurse von Frau Scheufen hatten die Möglichkeit, mehr über Frau Weyl und ihre beeindruckende Geschichte zu erfahren.
Zu Beginn ihrer Rede erzählte Frau Weyl von ihrer eigenen Person. Sie lebte in Arnheim, kam mit sechs Jahren in das Lager Westerbork und wurde mit neun Jahren von den Alliierten befreit.
Anschließend thematisierte Frau Weyl die auf Hitlers Machtergreifung folgende Ausgrenzung der Juden, was sie anhand einiger Bilder, welche als Beispiele fungierten, verdeutlichte. Auf einem dieser Bilder waren zwei jüdische Jungen, welche vor einer Tafel standen, zu sehen. Auf dieser Tafel stand „Der Jude ist unser größter Feind“.
Dann erzählte Frau Weyl von dem Lager Westerbork und was in diesem Lager anders war als in anderen Lagern. Westerbork war wie ein kleines Dorf, es gab beispielsweise ein Krankenhaus, eine Schule und drei Mahlzeiten pro Tag. All dies diente nur der Täuschung, da vermieden werden sollte, dass die Menschen ahnen, dass sie ermordet werden würden.
Nachdem Frau Weyl ihren Vortrag beendet hatte, gab sie uns viel Zeit, Fragen zu stellen und nahm sich Zeit, diese zu beantworten.
Ich habe es als große Ehre empfunden, mit einer der letzten Holocaust-Überlebenden sprechen zu können. Für mich war es sehr bereichernd, ergänzend zum Schulunterricht einige ganz persönliche Erlebnisse, Gedanken und Eindrücke zu erfahren.
Zudem gab uns Frau Weyl etwas Wichtiges mit auf unseren Weg: wir alle sehen unterschiedlich aus oder haben eine unterschiedliche Herkunft, sind von innen jedoch gleich – wir sind alle Menschen.