November 2025
Samstag 22. November
- 10:00 – 13:00
- Informationstag Marienschule
Dienstag 25. November
- Ausgleichstag
Freitag 28. November
- 13:00 – 18:00
- Weihnachtsmarkt Marienschule
„Ich werde ein Glanz.“ – Die Vision der 18jährigen Stenotypistin Doris, die in den wirtschaftlich schwierigen 30er Jahren ihre Heimat im Rheinland verlässt und nach Berlin geht, ist die Grundlage des Theaterstücks „Das kunstseidene Mädchen“, das am 4.2. in unserer Aula vor den Deutschkursen der Q1 aufgeführt wurde.
Die Aula hatte sich in ein Caféhaus verwandelt, Schauspielerin Christina Wouters spielte die Doris mit großer Variabilität und Kraft, ahmte Stimmen nach, rannte über die Bühne, sinnierte, litt, sang und träumte. 75 Minuten zog sie in diesem Ein-Frau-Stück das Publikum in ihren Bann. Dies geschah auch, indem sie es einbezog, anwesende Schüler mit ehemaligen Liebhabern identifizierte, sie Sätze sagen ließ, sie fixierte, fragte und zum rhythmischen Schnipsen brachte, wozu sie wiederum tanzte. So wurde die Bühnenfassung des Romans von Irmgard Keun zum interaktiven Spektakel, das zum Nachdenken brachte über die Schwierigkeiten von Frauen in der Weimarer Republik, über die Wirtschaftskrise, über Sexismus am Arbeitsplatz, über den Traum vom Luxus, von der Sehnsucht nach Ansehen und Bedeutung und dem Mißbrauch von Frauen, der dadurch möglich ist: „Du hast nur mit Männern geschlafen, weil Du sie mochtest oder weil Du Geld brauchtest.“
So ging es um viel mehr als „nur“ um Abiturstoff im Grundkurs Deutsch. Fragen wie: „Kommt denn unsereins mit Arbeit weiter?“ oder „Sind Menschen, die arbeiten, moralischer als Menschen, die nicht arbeiten?“ und Sätze wie „Berlin senkte sich auf mich wie eine Decke aus feurigen Blumen“ und „Ich komme ins Milieu, das mir Aussichten bietet„, bleiben sicher im Kopf und die Verletzlichkeit der Doris, die ihr Tagebuch einem anvertraut, der es tatsächlich gut mit ihr meint, bleibt im Sinn.
Das Theaterstück war ein Geschenk des Freundeskreises Zonta Club Krefeld am Rhein und wurde in Zusammenarbeit mit der Villa Meerländer und der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld aufgeführt.
Der Roman „Das kunstseidene Mädchen“ war 1932 noch ein großer Erfolg gewesen und 1933 bald von den Nationalsozialisten verboten. Michaela Roosen vom Freundeskreis Zonta und Daniel Simon von der NS-Dokumentationsstelle moderierten im Anschluß das Nachgespräch mit den Schülerinnen und Schülern.
Organisiert hatte das hochwertige Programm Kathi Dahmen. Danke an alle Beteiligten, Spenderinnen und die Schülerinnen und Schüler, die die Aufführung mit Applaus und Nachdenklichkeit goutierten.